• Julia Moldenhauer

Humorvoll - Satirisch - Intelligent




Zum Titel


Der Roman „King Goshawk und die Vögel“ von Eimar O`Duffy wurde 1926 erstmals unter dem Titel “King Goshawk and the birds“ veröffentlicht. Die vorliegende Ausgabe erschien 2019 im Kröner Verlag. Das Buch umfasst 275 Seiten und wurde von Gabriele Haefs erstmals aus dem Irischen übersetzt.

Das hochwertig gebundene Buch im Halbleineneinband wurde mir 2019 im Rahmen einer Leserunde vom Verlag zur Verfügung gestellt, ich habe es nun zum zweiten Mal gelesen.


Zum Inhalt Einst gab seine Herrlichkeit, der Weizenkönig Goshawk, seiner holden Frau Guzzelinda das Versprechen, alle Singvögel der Welt würden ihr gehören. Nach seiner Ernennung zum König erinnert sie ihn daran und weil für den unglaublich reichen Herrscher die Devise "happy wife, happy life" gilt, fackelt er nicht lange und lässt jedes einzelne Vögelchen fangen und einsperren. Wer fortan dem Zwitschern lauschen möchte, muss entsprechend dafür zahlen. Überhaupt sorgt der abgehobene König hauptsächlich für sich und die Seinen, während das Volk Not leidet. Der Philosoph Murphy reist durch Raum und Zeit und bringt die keltische Sagengestalt Cuchulainn in die Gegenwart, um alles wieder ins Lot zu bringen. Dieser guckt sich das allerdings nicht lange an, er kann und will nicht auf der Erde bleiben, er ist zu unbeherrscht und kann die menschliche Natur nicht verstehen. So bleibt nur eins: mit einer irdischen Frau einen Erben zeugen, mit menschlicher Gesinnung aber heldenhaftem Tatendrang. Der soll Vögel und Menschen vom monopolistischen Weizenkönig befreien. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn die Bürger wurden zu dummen Schafen gemacht, jegliches Auseinandersetzen und Hinterfragen wurde ihnen abtrainiert... Rezension Selten hatte ich ein so gutes Buch in der Hand! Der Sprache merkt man die 100 Jahre an, die das Buch alt ist, doch ich liebe die Poesie und den Anspruch. Die Sätze sind lang und kompliziert, es ist wohl ein Buch, das man nicht so nebenbei weglesen kann, jeder Satz will beachtet werden. Eimar O'Duffy schreibt intelligent, philosophisch, bissig, satirisch. Nur wenige Worte liegen zwischen Tränen lachen vor feinsinnigem Humor und Gruseln aufgrund der Aktualität mancher Szenen. Mit einer Ironie wie Nadelstiche macht der Autor nachdenklich, indem er eine Welt beschreibt, in der nur noch Geld zählt, in der Reichtum regiert, die Gesetze bestimmt, Kriege gewinnt. Wen man letztendlich wählt, ist unbedeutend, denn es werden generell keine Aussagen zur Politik der Parteien mehr gemacht, wen es interessiert, der soll fragen, wer aber dann fragt gilt als Störenfried, dem wird Beleidigung und Schlimmeres unterstellt, so dass keine kritische Auseinandersetzung stattfindet. Ist das noch Fiktion? Auch bei einigen gesellschaftlichen Aspekten denkt man, Eimar O'Duffy konnte in die Zukunft schauen, wenn er zum Beispiel darüber schreibt, dass schon 30-Jährige Frauen anfingen, sich verjüngen zu wollen, eine Vorhersage des Schönheitswahns der heutigen Zeit? Auch Organtransplantationen und Kryotechnik findet man andeutungsweise erwähnt. Ich habe das Buch von der ersten Seite an geliebt. Was für einen Schatz der Verlag da gefunden hat und den Gabriele Haefs so unglaublich wortgewandt übersetzt hat. Es ist eins meiner absoluten Lieblingsbücher und eins der schönsten Cover in meiner Bibliothek.

Zum Verlag Der Alfred Kröner Verlag wurde 1904 gegründet. 1907 bis 1937 wurde der Sitz vorübergehend von Stuttgart nach Leipzig verlegt. Das Verlagsprogramm umfasst über 500 Titel, darunter finden sich vor allem Gesamtdarstellungen, Nachschlagewerke und Klassiker. Jährlich erscheinen zwischen fünf und zehn neue Titel, zusätzlich dazu regelmäßig aktualisierte Neuauflagen der Backlist. Erklärtes Ziel des Verlagsgründers und seiner Nachfahren war und ist es, Schlüsseltexte der Geistes- und Kulturwissenschaften in guter Qualität aber zu erschwinglichen Preisen einem möglichst breiten Leserkreis zugänglich zu machen. Besonders hervorzuheben ist die 2007 ins Verlagsprogramm aufgenommene Reihe Kröner Taschenbuch, die leicht verständliche, einführende Literatur für die Zielgruppe der Studierenden bietet, 2008 kamen die Großdruckausgaben hinzu, die Klassiker auch denjenigen erschließen sollen, deren Sehkraft nachlässt. Der Verlag legt besonderen Wert auf ein qualitativ hochwertiges Lektorat und die sorgfältige Übersetzung.

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