• Julia Moldenhauer

Analytisch - Kompakt - Gruselig



Zum Titel


Der Roman „Gegenangriff“ wurde unter dem Pseudonym Nadja Niemeyer im Mai 2022 im Diogenes Verlag veröffentlicht. Es ist ein Hardcover und umfasst 171 Seiten.

Das Buch hat mir der Verlag zur Verfügung gestellt.

Zum Inhalt Aus der nicht näher definierten Zukunft wird in auktorialer Erzählweise die Zeit um 2034 bis 2038 beschrieben, als es mit der Ära der Menschheit zu Ende ging. Aufgrund eines Virus, der eine gesteigerte Intelligenz zur Folge hat, sind Haus- Nutz- und Wildtiere in der Lage, ihre über lange Zeit gesammelten Informationen zum homo sapiens auszuwerten, zu beurteilen und die notwendigen Schritte zur Rettung der Welt einzuleiten. Nicht die moralische sondern einzig die logische Konsequenz ist, die Schädlinge im Sinne des Naturschutzes zum Aussterben zu bringen. Wie genau, das erzählt uns... nun ja, vermutlich kein Vertreter unserer Spezies. Wir sind da bereits Geschichte. Rezension Bereits vor Beginn des Buches wird man darauf hingewiesen - Nadja Niemeyer gibt es nicht. Die Autorin, oder Journalistin, oder was auch immer sie ist, möchte unerkannt bleiben. Ich kann das verstehen und akzeptieren, dennoch nagt die Neugier an mir, denn man merkt schnell, dass sie nicht zum ersten Mal schreibt. Sprachlich und stilistisch ist dieser Bericht über die gezielte Ausrottung unserer Art in meinen Augen außergewöhnlich. Sachlich, analytisch, ohne Sentimentalitäten lässt sich das kurze Buch in einem durchlesen. Es ist keine Hetzschrift, kein "Pamphlet", wie der Untertitel lautet. Es ist tatsächlich eben grade nicht polemisch oder geschmäht, es ist absolut nachvollziehbar. Man denkt direkt an Orwells "Farm der Tiere", nur wird hier nichts als Fabel auf Tiere übertragen, "Gegenangriff" ist vielmehr dystopisch. Oder gar utopisch?! Selten habe ich eine so gestochen scharfe und dabei unaufgeregte Gesellschaftskritik gelesen. Die Reaktionen der Menschen auf die Bedrohung ihrer gesamten Art werden von den Tieren teils vorhergesehen, teils überrascht sie der Erfolg einzelner Maßnahmen und Aktionen. Spätestens hier zeigt sich dann auch, dass "Menschlichkeit" ein irreführender Begriff ist. Es ist wahrlich kein glänzendes Bild, welches "NN" im Namen der Tierwelt von uns zeichnet. Es ist beschämend. Traurig liest sich die Charakterstudie des homo Sapiens, noch trauriger die siebeneinhalb Seiten gefüllt mit Namen in jüngster Zeit ausgestorbener Tierarten. Dieses kurze, nüchterne, tragische Buch im eher diogenes-untypischen Look ist eins der Highlights diesen Jahres für mich.

Wir leben in einer Zeit, in der einige Menschen bereits Entscheidungen gegen egoistisches Dasein treffen. Sich vegetarisch und vegan ernähren zum Beispiel. Artenschutz. Auch die bewusste Entscheidung dagegen Kinder in die Welt zu setzen. Alles vernünftige Überlegungen und Entscheidungen, die großen und die kleinen. Aber noch sind wir nicht so weit, darüber offen zu sprechen, ohne dass sich jemand angegriffen fühlt.

Wann?? Zum Verlag Der Diogenes Verlag aus der Schweiz feiert dieses Jahr 70. Geburtstag. Er ist einer der größten unabhängigen Verlage Europas. Bis heute sind fast 8000 Titel erschienen, etwa ein Drittel davon sind nach wie vor lieferbar. Darunter sind neben Autoren der Gegenwart auch viele Klassiker zu finden.

Die besondere, durch die Einheitlichkeit zeitlose Optik mit Wiedererkennungswert stimmt auch Taschenbuchmuffel milde. Schön ist, dass der Verlag eine große Anzahl Gesamtwerke seiner AutorInnen veröffentlicht, John Irving, Doris Dörrie, Andrej Kurkow, Patrick Süßkind… Man könnte sagen, er bietet Schreibenden und allen ihren Werken ein Zuhause.

Der Erfolg des Verlages stützt sich daneben auch auf die Betreuung wichtiger Lizenzen von Film und Theater und weltweite Rechte namhafter deutsch- und fremdsprachiger AutorInnen.

Das Verlagsprogramm hat seinen Schwerpunkt auf Belletristik. Einen kleineren Teil machen Kinderbücher und Sachbücher aus, auch Cartoons gehören dazu.

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