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  • AutorenbildJulia Moldenhauer

Emanzipiert - Lebensfroh - Französisch



Zum Titel


Der Roman „Das Herz von Paris“ von Veronika Peters erschien 2022 bei Oktopus, einem Imprint des Kampa Verlages aus der Schweiz.

Es ist ein Hardcover und umfasst 326 Seiten.

Das Buch habe ich als Mängelexemplar gekauft, der Stempel sagt „angelexemplar“, was auch irgendwie zutrifft.

Zum Inhalt Ann-Sophie wird nicht gefragt, als ihr Ehemann ein aussichtsreiches Aufstiegsangebot in Paris annimmt. Anfang des 20. Jahrhunderts geht eine Frau mit ihrem Mann, wohin es auch sei. In Berlin genoss sie alle Annehmlichkeiten als Tochter aus gutem Hause. Als sie wütend und vor sich hin schimpfend ihrem Frust Luft macht, wird sie von der Verlegerin und Buchhändlerin Sylvia Beach aufgelesen und kurzerhand zu einer Frauenrunde mitgenommen. So wird aus der deutschen Ann-Sophie von Schoeller die Parisienne Ann (amerikanisch ausgesprochen), die sich von der biederen Ehefrau zu einem Teil der Kunst- und Literaturszene um die legendäre Buchhandlung „Shakespeare and Company" entwickelt.

Rezension


Ich liebe Geschichten, die in den 20er-Jahren spielen. Viele der genannten Namen waren mir ein Begriff, zu anderen habe ich recherchieren müssen und dabei herausgefunden, dass nicht wenige Ereignisse, Umstände und Figuren historisch belegt sind. Die Zusammenhänge werden teils nah an Fakten, teils völlig frei interpretiert und mit Leben gefüllt, was sehr harmonisch ineinandergreift. So könnte es zugegangen sein - und ist es wohl tatsächlich mitunter, in der Welt der kreativen Buchmenschen in der Stadt der Liebe. So ist die Erzählweise recht frivol und freizügig, was bei mir seinen Effekt auf die Lesegeschwindigkeit nicht verfehlte! In meinen Augen ist es überaus gelungen geschrieben, die Seiten flogen nur so vorüber. Eine leichte Lektüre, möchte ich sagen, wenn auch die Sprache dabei keineswegs simpel ist, sie hat ebenso Klasse und Stil wie die Charaktere des Buches. Veronika Peters vermag es, die Figuren authentisch mit Leben zu füllen.

Vor dem Hintergrund des „Who-is-Who“ der Pariser Kunstszene ist dies aber auch das Porträt einer Frau (Ann ist keine historisch verbürgte Person) zwischen gehobener Erziehung und alten Konventionen und ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung. Ihre Gedanken und Gefühle wurden gut von der Autorin herausgearbeitet und entwerfen ein gelungenes Profil einer jungen Frau im Wandel der Zeit und Erwartungen der Gesellschaft an die Geschlechterrollen.

Ohne spoilern zu wollen, ich hätte mir ein Happy End gewünscht, ein allumfassendes. Ich hatte auch gehofft, manche Dinge würden noch aufgelöst, nicht der Vollständigkeit halber, sondern, weil ich die Geschichte einfach gut fand. Das Buch hätte gern noch 100 Seiten dicker sein dürfen, es hat mir großartig gefallen.



Zum Verlag


Oktopus ist - daher der Name - ein 2021 ins Leben gerufener Verlagsarm des schweizerischen Kampa Verlags, der 2018 gegründet wurde. Unter diesem Namen sollen leichte und bunte Romane erscheinen, die sich vom sonstigen Kampa-Programm abheben.

Ein kleines Programm mit ausgewählten Neuerscheinungen und Titeln, die nicht der Vergessenheit anheimfallen sollen, ist somit aus dem Körper des Verlags herausgewachsen und bietet wunderbare Geschichten.

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